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| spielwelt:finsternis [13.09.2026 20:38] – Voigt | spielwelt:finsternis [15.09.2026 20:23] (aktuell) – Voigt | ||
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| ====== Staub & Finsternis ====== | ====== Staub & Finsternis ====== | ||
| - | Das leben auf Ghen ist geprägt | + | Das Leben auf Ghen wird vom Staub und der Finsternis |
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| - | **Der Tag.** Jeder kennt den Staub. Er ist ein fester Bestandteil der Welt, so selbstverständlich wie grauer Himmel | + | |
| - | Tagsüber erscheint er als kaum sichtbare Schwebung – ein leichter Schleier, der das Sonnenlicht bricht und den Himmel in ein schmutziges, | + | |
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| - | **Die Nacht.** Mit dem Untergang der Sonne ändert sich alles. Wenn Dhargass, | + | |
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| - | **Die Finsternis.** Was der Schwarze Staub nachts tut, ist keine Einbildung. Pflanzen, die vom nächtlichen Staub berührt werden, wachsen weiter, aber falsch. Sie sind verdreht, fleischig, dunkel, gierig. Ein Hund, den die Finsternis streift, kann binnen Stunden zur Bestie werden. Menschen brauchen länger, aber das Ergebnis ist dasselbe. Einige Landstriche auf Ghen sind auch tagsüber von der Finsternis verschluckt. Hier dringt zu keiner Tageszeit auch nur ein Strahl von Sors Licht durch. Jedes Leben tut sich gut daran, diese Landstriche zu meiden. | + | |
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| > "Er ist überall. Er ist in deinen Lungen, wenn du einatmest. Auf deiner Haut, wenn du die Hand ausstreckst. Und in deinen Augen, wenn Sor untergeht und Dhârgass die Welt schwarz werden lässt. Die Priester sagen, er ist Sors Prüfung. Die alten Weiber sagen, er ist ein Fluch. Vielleicht haben beide Recht." | > "Er ist überall. Er ist in deinen Lungen, wenn du einatmest. Auf deiner Haut, wenn du die Hand ausstreckst. Und in deinen Augen, wenn Sor untergeht und Dhârgass die Welt schwarz werden lässt. Die Priester sagen, er ist Sors Prüfung. Die alten Weiber sagen, er ist ein Fluch. Vielleicht haben beide Recht." | ||
| - | **Tageslicht.** | + | Der Staub ist allgegenwärtig, jeder kennt ihn. Er ist ein fester Bestandteil der Welt und immer da, so selbstverständlich wie grauer Himmel und nasse Straßen nach dem Regen. Er gehört zum Wetter, und ist somit kein besonderes Ereignis, über das man spricht. |
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| - | Niemand, der heute lebt, hat je einen klaren Himmel gesehen. | + | |
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| - | **Beleuchtung.** In den Häusern ist es immer dämmrig. Die Fenster sind klein, um Schutz zu bieten und den Staub draußen zu halten. Nur die Reichen können sich erlauben, Lichtquellen auch tags zu entzünden. Man hängt poliertes Metall und Spiegel auf um das wenige Licht zu vervielfachen. Gute Spiegel werden vererbt. | + | |
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| - | Die Oberschicht kann es sich leisten, ihre Villen mit Lumerit und Sorgas zu beleuchten. | + | |
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| - | Praktische Folgen: | + | |
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| - | * **Farben sind teuer.** Kräftig gefärbte Stoffe wirken im Zwielicht fast schwarz. Wer es sich leisten kann, trägt helle Farben — sie sind das einzige, was auf der Straße noch erkennbar ist. Grelles Gelb und Weiß gelten deshalb | + | |
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| - | Talg, Öl, Kerzen und Zunder sind in jedem Haushalt | + | |
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| - | * **Spiegel | + | |
| - | * **Fenster sind klein und hoch.** Große Fenster bringen kaum Licht, aber viel Staub. Wohlhabende Häuser haben Lichtschächte statt Fenstern. | + | |
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| - | ==== Die Ernte ==== | + | |
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| - | Der Staub nimmt den Pflanzen das Licht, und der Ertrag zeigt es. Was noch verlässlich wächst, ist wenig und eintönig: | + | |
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| - | * **Wurzelgemüse** — Rüben, Pastinaken, Knollen aller Art. Das Grundnahrungsmittel der einfachen Leute. | + | |
| - | * **Pilze** — in Kellern, Stollen und unter feuchten Tüchern gezogen. Ganze Handelszweige leben davon. | + | |
| - | * **Hartes Korn** — zäh, dunkel, mehlarm. Weißes Brot ist ein Luxusgut und ein Statussymbol. | + | |
| - | * **Vieh** — mager, anfällig, teuer. Fleisch gibt es an Feiertagen. | + | |
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| - | Obst ist eine Seltenheit. Ein Apfel ist ein Geschenk, über das man spricht. Blumen wachsen kaum noch wild; die welken Sträuße, die Kinder | + | |
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| - | Missernten sind kein Unglück, sondern ein Rhythmus. Jede Familie kennt Hunger. | + | |
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| - | ==== Die Gesundheit ==== | + | |
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| - | Wer atmet, atmet Staub. Das ist die häufigste Todesursache | + | |
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| - | * **Die Staublunge** trifft fast jeden, | + | |
| - | * **Gesichtstücher** trägt man draußen | + | |
| - | * **Wasser wird gefiltert**, | + | |
| - | * **Essen wird abgedeckt.** Ein unbedeckter Topf ist eine Beleidigung des Gastes. | + | |
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| - | ==== Der Haushalt ==== | + | |
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| - | Putzen ist keine Tugend, sondern Notwehr. In jedem Haus wird täglich gewischt, meist mehrmals. Trockenes Kehren gilt als Anfängerfehler — es verteilt den Staub nur. Man wischt feucht. | + | |
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| - | Türschwellen haben Tücher. Vor jeder anständigen Haustür liegt eine Matte oder ein nasser Lappen. Wer eintritt, ohne die Füße abzustreifen, | + | |
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| - | ==== Die Zeit ==== | + | |
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| - | Ohne sichtbare Sonne kann niemand die Tageszeit am Himmel ablesen. Deshalb wird sie **geläutet**. | + | |
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| - | Jede Siedlung, die etwas auf sich hält, hat eine Glocke. Sie schlägt | + | |
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| - | Wer keine Glocke hört, ist zu weit von jeder Siedlung entfernt — und das ist die gefährlichste Lage, in die ein Reisender geraten kann. | + | |
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| ===== Die Nacht ===== | ===== Die Nacht ===== | ||
| - | Wenn die Sonne sinkt und **Dhargass** über den Horizont steigt, | + | Mit dem Untergang der Sonne ändert sich alles. Wenn Dhargass, der dunkle Mond, über den Horizont steigt, |
| - | Was nachts draußen ist, wird verändert. | + | Mit dem Klang der Abendglocke sucht deswegen ein jeder seine schützenden vier Wände auf, verriegelte die Tür, schließt die Fenster und betet zu Sor, bevor er zu Bett geht. Nur Geisteskranke, |
| - | ==== Was jeder tut ==== | ||
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| - | * **Vor der Abendglocke ist man drinnen.** Wer den Weg nicht mehr schafft, klopft an eine fremde Tür. Sie wird meistens geöffnet — das ist eines der wenigen ungeschriebenen Gesetze, an das sich fast alle halten. | ||
| - | * **Läden und Türen werden verriegelt**, | ||
| - | * **Licht bleibt an.** In vielen Häusern brennt die ganze Nacht eine kleine Flamme. Sie vertreibt nichts, aber sie hält den Staub in ihrer Nähe dünner. | ||
| - | * **Man geht nicht ans Fenster.** Kinder lernen das früh und fragen nicht nach dem Grund. Sie kriegen ihn ohnehin nicht erzählt. | ||
| - | * **Der Morgen prüft.** Nach dem ersten Läuten wird nachgesehen: | ||
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| - | ==== Wer draußen ist ==== | ||
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| - | Nicht jeder hält sich daran. Draußen unterwegs sind nachts: | ||
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| - | * **Schmuggler und Diebe**, weil keine Wache patrouilliert und keine Zollschranke besetzt ist. | ||
| - | * **Verzweifelte**, | ||
| - | * **Wahrer der Kirche**, die den Ausgehbann durchsetzen — in Gruppen, mit Fackeln, nie allein. | ||
| - | * **Verurteilte.** In manchen Gegenden setzt man Verbrecher nachts vor die Mauer. Das gilt nicht als Hinrichtung, | ||
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| - | Wer die Nacht überlebt hat und davon erzählt, wird nicht bewundert, sondern gemieden. Man fragt sich, //warum// er überlebt hat. | ||
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| ===== Die Finsternis ===== | ===== Die Finsternis ===== | ||
| - | > Sie waren von Weg abgekommen und verschollen. Erst nach drei Tagen gelang es einer Gruppe von Freiwilligen, | + | > //Sie waren von Weg abgekommen und verschollen. Erst nach drei Tagen gelang es einer Gruppe von Freiwilligen, |
| - | ++++Amtsbericht: | ||
| - | ===== Amtsbericht: | ||
| - | |||
| - | //Abschrift aus dem Amtsregister zu Arkanar. Die Akte wurde nach dem zweiten Nachtrag geschlossen und dem Archiv der Sorkirche übergeben. Die Abschrift ist unvollständig; | ||
| - | ---- | ||
| - | <WRAP box> | ||
| - | **AMTSREGISTER ARKANAR — VORGANG 217/33** | ||
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| - | **Betreff: | ||
| - | Aufgenommen am zwölften Tag des Mart, im Jahre 33 nach Bazz durch Linnher Reubenschild, | ||
| - | **Vorzulegen: | ||
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| - | === I. Vorgang === | ||
| - | Am fünften Tag des Mart wurde der Handelszug des Kaufmanns Delbert Osswin, bestehend aus vier Fuhrwerken nebst Zugtieren und einer Begleitmannschaft von elf Personen, in Arkanar erwartet und traf nicht ein. Nach Aussage des Wirtes zu Nieder-Süll hatte der Wagenzug die dortige Herberge am dritten Tag vor der Abendglocke verlassen, mit dem erklärten Ziel, die Wegkreuzung noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Nach eigener Aussage hat der Wirt dringlich von der Weiterfahrt abgeraten. Es wird vermerkt, dass der Kaufmann Osswin sich über diesen Rat hinweggesetzt hat. Der Zug ist vom Weg abgekommen. Wie es dazu kam, ließ sich nicht ermitteln. | ||
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| - | === II. Suche und Auffindung === | ||
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| - | Der Berichterstatter hat am achten Tag eine aus neunzehn Personen bestehende Freiwilligenmannschaft zusammengestellt, | ||
| - | Die weiteren Fuhrwerke wurden eine Passage weiter halb im Moor versunken gefunden. Alle drei in erheblichem Maße beschädigt. Zahlreiche Splitterungen am Holz, sowie ausgedehnte Blutspuren wurden festgestellt. Ebenso fanden sich Veränderungen am umliegenden Bewuchs, die der Berichterstatter nicht erklären kann und daher nicht weiter beschreibt. Es wurden zahlreiche Kadaver der Zugtiere aufgefunden, | ||
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| - | Keine der elf Personen der Begleitmannschaft wurde aufgefunden, | ||
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| - | === III. Bergung === | ||
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| - | Unmittelbar vor Abbruch der Suche vernahm der Schäfer Wetzel Kargs aus Nieder-Süll ein Wimmern aus dem Moor, in Richtung der dichteren Finsternis. Das Geräusch wurde durch weitere Anwesende bestätigt. Kargs erklärte sich bereit, an einem Seil gesichert, in die Finsternis einzutreten, | ||
| - | Während bereits seit einiger Zeit Schreie von Kargs zu hören war, ruckte das Seil. Man zog Kargs zurück, der während des gesamten Vorgangs nicht aufhörte zu schreien. Bei seinem Austritt war er nicht ansprechbar und erst eine Ohrfeige beendete das Schreien. Er hielt eine junge Frau umklammert, unterkühlt und unbekleidet. Sie lebte. | ||
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| - | === IV. Verbleib der Betroffenen === | ||
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| - | Kargs und die Junge Frau wurden nach Arkanar in das Hospital der Reriten übergeben, wo Kargs binnen zweier Tage die Sprache wiedererlangt. Er konnte keine verwertbare Aussage zu dem machen, was er in der Finsternis erlebt hat. Der Berichterstatter hat auf weitere Befragung verzichtet. Die geborgene junge Frau wurde als Alwine Tessers ter Osswin identifiziert, | ||
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| - | Es wird ausdrücklich vermerkt, dass die Genannte keinerlei Verletzungen aufwies. Mehrfache Untersuchungen haben dies bestätigt. Sie erinnert sich nicht an die Geschehnisse. Ihre Erinnerungen setzen erst im Hospital wieder ein. Ferner wurde bei der Untersuchung festgestellt, | ||
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| - | === V. Beurteilung des Berichterstatters === | ||
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| - | Der Berichterstatter sieht sich außerstande, | ||
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| - | Dass ein Mensch drei Tage in der Finsternis zubringt und unverletzt daraus hervorgeht, ist nach aller Erfahrung nicht möglich. Der Berichterstatter erblickt darin das Wirken Sors und empfiehlt, es als solches als Wunder in die Register einzutragen. | ||
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| - | Der Schäfer Wetzel Kargs hat sich verdient gemacht. Es wird beantragt, ihm die Aufwandsentschädigung der Wegeaufsicht auszuzahlen und ihn dem Rat zu Arkanar zur Auszeichnung vorzuschlagen. | ||
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| - | Die elf Vermissten sind für tot zu erklären. | ||
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| - | //gez. Linnher Reubenschild, | ||
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| - | === Nachtrag I === | ||
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| - | Zu Vorgang 217/33 ist folgendes nachzutragen: | ||
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| - | Die für den Schäfer Kargs beantragte Auszeichnung ist bis auf weiteres zurückgestellt worden. Ein Grund wurde dem Berichterstatter nicht mitgeteilt. | ||
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| - | //gez. L. Reubenschild// | ||
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| - | === Nachtrag II === | ||
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| - | // | ||
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| - | Die Niederkunft erfolgte in der Nacht. Sie dauerte von der Abendglocke bis in die Frühstunden. Ein Arzt und zwei Hebammen waren zugegen, ferner der Prior der Gemeinde. Die Mutter hat überlebt. Das Kind war nicht regelgerecht gebildet. Der Berichterstatter hat das Kind nicht in Augenschein genommen und wird dies nicht nachholen. Die anwesende Hebamme Grete Wollmars hat den Dienst noch in derselben Nacht niedergelegt und Arkanar verlassen. | ||
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| - | Der Prior hat die weitere Behandlung des Vorgangs an sich gezogen. Er hat angeordnet, dass hierzu keine Eintragung in das Amtsregister erfolgt. Der Berichterstatter kommt dieser Anordnung nach und vermerkt lediglich, dass sie ergangen ist. Über den Verbleib des Kindes ist dem Berichterstatter nichts bekannt. | ||
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| - | //gez. L. Reubenschild// | ||
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| - | <WRAP box> | ||
| - | **Randvermerk, | ||
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| - | //Vorgang geprüft. Der Eintrag über das Wirken Sors bleibt bestehen; die Errettung der Tessers ist als Gnadenzeichen zu führen. Die Nachträge I und II sind für die Registerabschrift nicht zu berücksichtigen.// | ||
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| - | //Der Schäfer Karg ist zur Vorsprache geladen. Er ist nicht erschienen und in Nieder-Süll nicht mehr angetroffen worden.// | ||
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| - | //Akte geschlossen.// | ||
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| - | — //Prior C. A., im Soren des Jahres 33 n. B.// | ||
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| > "Sie umgibt dich, hüllt dich ein und überzieht alles an dir mit einem eiskalten Schauer, sie kriecht dir unter die Haut und lässt dich wahnsinnig werden." | > "Sie umgibt dich, hüllt dich ein und überzieht alles an dir mit einem eiskalten Schauer, sie kriecht dir unter die Haut und lässt dich wahnsinnig werden." | ||
| - | Die Finsternis ist etwas anderes | + | Die Finsternis ist mehr als nur Dunkelheit, mehr als das Fehlen von Licht. Sie ist das Böse. Das Böse in seiner reinsten, elementarsten Form. Durch den zusammengeballten Staub, den Dhârgass nutzt um Gehns Leib zu erobern, alles Leben darauf zu vergiften, zu verformen, zu quälen, entsteht die Finsternis. |
| + | **Die Finsternis verändert das Leben.** Der Staub frisst das Licht und verändert das Leben. Was die Finsternis länger berührt, wird von ihr gezeichnet, nicht immer durch offensichtliche Deformationen und Verwachsungen, | ||
| + | **Eigenschaften der Finsternis.** Die Finsternis sieht aus wie Nebel aber benimmt sich nicht so. Sie sinkt nie ganz zu Boden, als wäre sie leichter als Luft. Und trotzdem bewegt sie sich manchmal gegen den Wind. Einige behaupten, sie kann augenblicklich ihre Richtung ändern. Sie fühlt sich eiskalt an, aber verbrennt dennoch deine Haut. Sie dämpft jeden Laut. Schritte werden zu Flüstern und Rufe verhallen nach wenigen Metern. Aber schlimmer noch ist, dass sie das Licht verschluckt. Fackeln brennen weiter, man sieht die Flamme, aber ihr Schein kommt nicht durch. Deswegen brennt nachts in jedem Haus eine Kerze. Wenn ihr Lichtschein schwindet, ist böses nahe. Am gefährlichsten ist aber, dass die Finsternis orientierungslos macht. Ohne Geräusch und Sicht, verliert man schnell die Richtung. Oft so vollständig, | ||
| - | Sie ist kein Fehlen von Licht, sondern etwas Anwesendes: zusammengeballter Staub, so dicht, dass er über ganzen Landstrichen liegt und sie zur ewigen Nacht macht. Dort geht Dhargass nicht auf — er geht nie unter. | + | ==== Die Finsterlande -- verlorenen Landstriche ==== |
| - | ==== Wie sie sich verhält ==== | + | Auf alten Karten tragen |
| - | Sie sieht aus wie Nebel und benimmt sich nicht so: | + | <nodisp group: |
| - | * Sie **sinkt nie ganz zu Boden**, als wäre sie leichter als Luft — und bewegt sich manchmal trotzdem gegen den Wind. | ||
| - | * Sie **verbrennt** Haut und Blattwerk und **fühlt sich dabei eiskalt an**. Beide Beobachtungen stimmen. | ||
| - | * Sie **verschluckt Licht.** Die Fackel brennt weiter, man sieht die Flamme — aber ihr Schein kommt nicht durch. | ||
| - | * Sie **dämpft jeden Laut.** Schritte werden zu Flüstern, Rufe verhallen nach wenigen Schritten. | ||
| - | * Wer lange in ihr steht, **verliert die Richtung** so vollständig, | ||
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| - | ==== Was sie mit Lebendem macht ==== | ||
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| - | Was die Finsternis länger berührt, wird gezeichnet. Verwachsungen und Missbildungen kommen vor — aber die stilleren Veränderungen sind die schlimmeren. | ||
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| - | Die Finsternis weckt die dunklen Seiten eines jeden. Sie erschafft nichts Neues; sie holt hervor, was da war, und macht es zur beherrschenden Kraft. Wer Stunden in ihr verbracht hat, kommt vielleicht unversehrt heraus — und ist trotzdem nicht mehr derselbe. Das merken zuerst die, die ihn kennen. Er spricht anders. Er entscheidet anders. | ||
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| - | Manchmal legt sich das nach genug Zeit im Licht. Manchmal nicht. | ||
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| - | ==== Die verlorenen Landstriche ==== | ||
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| - | Auf alten Karten tragen sie noch Namen. Auf neuen sind sie leere Flächen, wenn sie überhaupt eingezeichnet sind. | ||
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| - | Gebiete unter dauerhafter Finsternis gelten als verloren, und das ist keine Übertreibung: | ||
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| - | Die Kirche des Sor erklärt diese Landstriche zur Gottesstrafe. Sie schickt keine Soldaten hinein und baut keine Mauern darum. Sie warnt nur — mit der ruhigen Gewissheit von Leuten, die wissen, dass niemand zurückkommt, | ||
| ==== Die Ränder ==== | ==== Die Ränder ==== | ||
| - | Wichtiger für den Alltag als die Kerngebiete sind ihre **Ränder**. Finsternis ist nicht scharf begrenzt; sie franst aus, atmet, verschiebt sich über Jahre. | + | Wichtiger für den Alltag als die Kerngebiete sind ihre **Ränder**. Finsternis ist nicht scharf begrenzt; sie franst aus, atmet, verschiebt sich über Jahre. Dörfer am Rand der Fisnterlande |
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| - | Dörfer am Rand kennen ihre eigenen Regeln: Steinmale, die den letzten sicheren Punkt markieren. Kinder, die man nie in eine bestimmte Richtung schickt. Weiden, die man vor zwanzig Jahren noch nutzen konnte. Wer an einem solchen Rand lebt, weiß bis auf den Schritt genau, wo er umkehrt. | + | |
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| - | Und jedes Jahr steht das Steinmal ein Stück weiter | + | |
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| - | ===== Was man sich erzählt ===== | + | |
| - | Keine dieser Erklärungen ist bewiesen. Alle haben Anhänger. | + | === Gerüchte === |
| - | | + | * Der Staub ist die Strafe für den Frevel der Elfen, die sich gegen Sor erhoben. |
| - | | + | * Die Finsternis ist Dhargass' |
| - | | + | * Es gab eine Zeit vorher. Manche behaupten, ihre Großeltern hätten die Sonne noch gesehen. Solche Sätze spricht man nicht laut aus. |
| - | | + | * Der Staub liegt nicht überall gleich. Es gibt Stellen, die meidet er vollständig. Hier berühren Sors Strahlen noch Ghens Oberfläche. |
| + | * Tief unter Tage ist kein Staub. | ||
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| - | //Siehe auch:// [[spielwelt: | ||