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Kalender & Zeitrechnung

Die Jahre werden seit dem Fall von Bazz gezählt (n. B.). Mit ihm begann im Jahr 0 eine neue Zeitrechnung. Was davor war, liegt in der vergessenen Zeit. Die Chronisten des Sor geben diese Jahre vor dem Fall (v. B.) an. Derzeit schreibt man das Jahr 36 n. B.

Siehe auch: Zeitachse

Der Tag wird in 36 Stunden unterteilt. Davon gehören 18 Stunden Dhargass und 18 Stunden Sor. Diese Stunden werden durch die Tag- und Nachtglocke voneinander. Im Sommer sind Sors Stunden länger als die des finstren Dhargass. Im Winter ist es andersherum.

Der Tag beginnt mit der Nachtglocke. Erst kommen die Stunden des Dhargass, dann die des Sor. So lehrt es die Kirche:

„Aus der Finsternis kommt das Licht.“

Unter den Gelehrten Feldtlands gibt es Bemühungen, den Tag unabhängig von der Jahreszeit in 36 gleiche Teile zu unterteilen, so dass die Stunden in ihrer Länge nicht mehr schwanken. Das würde aber bedeuten, dass im Winter Dhargass' Finsternis auch in Sors Stunden Einzug hält. Eine Vorstellung, die die Kirche des Sor strikt ablehnt.

Es gilt der Sorische Kalender. Das Jahr auf Ghen umfasst sechzehn Monate mit jeweils 36 Tagen. Jeder Monat wird in vier Wochen mit je neun Tagen eingeteilt. Je vier Monate bilden eine Jahreszeit. Jede Jahreszeit beginnt mit einem Monat, der nach einem der Himmelskörper benannt ist: Dargen nach Dhargass, Duner nach Dundar, Soren nach Sor und Branen nach Branjur. Am 18. Tag dieser Monate wendet sich das Jahr. Am 18. Soren ist der längste Tag, am 18. Dargen die längste Nacht. Am 18. Duner und am 18. Branen sind Tag und Nacht gleich lang.

Die übrigen zwölf Monate tragen die Namen von Heiligen der Kirche. Der Volksmund hat sie mit der Zeit verkürzt, so wie aus Dhargass der Dargen wurde. Mehr dazu unter Die Heiligen der Monate.

Der blaue Mond Branjur. Auch der blaue Mond Branjur folgt dem Kalender. Er braucht für seinen Lauf genau einen Monat. Am 1. Tag ist er nicht zu sehen, am 9. steht er halb, am 18. voll und am 27. wieder halb am Himmel. Die Kirche lehrt, dass Sor ihm seinen Lauf vorgegeben hat, damit er seiner Ordnung folgt.

Der rote Mond Dundar.Der rote Mond Dundar dagegen hält sich an keine Ordnung. Er braucht 160 Tage für seinen Lauf und steht nur drei oder vier Mal im Jahr voll am Himmel, jedes Jahr an anderen Tagen. Die Bauern können nicht vorhersagen, wann er kommt. Die Priester schon.

Der schwarze Mond Dhargass.Das Jahr beginnt mit dem Monat Dhargass, weil am 1. Dargen die Stadt Bazz fiel. Am selben Tag nahm Sor den Völkern die Erinnerung, und danach kam die Finsternis über die Welt. Das Jahr beginnt also so, wie die neue Zeit begann, in Finsternis. Und wie jeder Tag mit den Stunden des Dhargass beginnt und mit denen des Sor endet, so führt auch das Jahr aus der Finsternis ins Licht. Alles andere wäre Lästerung. Den Monat nach Dhargass zu benennen, heißt nicht, ihn zu ehren. Man nennt den Feind beim Namen, um ihn zu stellen. Deshalb beginnt jedes Jahr mit den Tagen der Reinigung.

Neben den Namen der Kirche kennt vor allem die Landbevölkerung noch alte Monatsnamen. Woher sie stammen, weiß niemand.

Die meisten richten sich nach der Arbeit auf dem Feld. Diese ländlichen Namen hört man in jedem Dorf. Die Kirche duldet sie, wenn auch ungern. Wer sie in der Stadt benutzt, gilt schnell als einfältiger Bauer.

Anders ist es mit den Mondnamen. Sie enden alle auf -mond und berufen sich damit auf die Monde, nicht auf Sor. Für die Soristen ist das Götzendienst. Und wer den Mond des Dhargass anruft, dient dem Bösen. Die Verwendung der Mondnamen gilt deshalb als Ketzerei und wird vielerorts mit Auspeitschen bestraft. Trotzdem halten sie sich hartnäckig, vor allem in abgelegenen Gegenden. Man flüstert sie eher, als dass man sie ausspricht. Und so verrät oft schon ein einziges Wort, wie jemand zur Kirche steht.

Auf dem Land werden auch einige der offiziellen Namen anders ausgesprochen. Oft liegt die bäurische Form sogar näher am Namen des Heiligen. Das ist keine Ketzerei, nur bäurisch. Diese Formen stehen in Klammern.

No. Monat Benannt nach Ländlicher Name Mondname (verboten) Feiertage
1. Dargen Dhargass Aschung Bußmond Gnadentag (1.), Tage der Reinigung (1. bis 9.), Zähltag (9.), Mittwinter (18.)
2. Decer Decaran der Brenner Hartung Eismond
3. Janer (Janner) Janne vom Herd Drisching Wachmond
4. Feber Febra Hornung Thaumond
5. Duner (Dunen) Dundar Lenzing Knospmond Frühlingsfest (18.)
6. Mart (Marten) Marto der Pflüger Furchung Pflugmond
7. Avril Avrila die Säerin Saating Saatmond Saatsegen (9.)
8. Maien Maiena die Hirtin Setzling Weidemond
9. Soren Sor Brachet Glutmond Sorfest (18.)
10. Juner (Junen) Junar der Zeuge Heuert Heumond
11. Julen Julana die Schnitterin Ernting Erntemond Erntefest (36.)
12. Auger Augar der Zehntherr Grummet Obstmond Zehnttag (6.)
13. Branen (Braner) Branjur Scheiding Regenmond
14. Seper Seperan der Wanderprediger Gilbhart Mostmond
15. Ocer Ocar der Wächter Winterung Laubmond
16. Nover Noverin die Totengräberin Schlachting Nebelmond Gräbersegen (27.), Jüttfeuerfest (36.)

Zwölf Monate sind nach Heiligen der Kirche benannt. Die meisten von ihnen lebten in den Staubjahren nach dem Fall, als Hunger, Seuchen und Finsternis über die Welt kamen. Ihre Taten sind noch nicht lange her. Mancher Alte behauptet, den einen oder anderen noch gekannt zu haben.

Jeder Heilige wird am 9. Tag seines Monats gefeiert, dem ersten Sorstag. Man besucht die Messe, und wer dem Heiligen etwas schuldet, bringt ihm eine Gabe.

Monat Heilige:r Schutzpatron für Legende
Decer Decaran der Brenner Reinigung, Eiferer Er führte in den Jahren der Reinigung die ersten Bücherfeuer an. Sein Monat folgt auf die Tage der Reinigung.
Janer die heilige Janne vom Herd Herdfeuer, Frierende Im härtesten Winter verheizte sie die Balken ihres eigenen Hauses, damit das Dorf nicht erfror.
Feber die heilige Febra Kranke, Siechenhäuser Sie pflegte zur Schneeschmelze die Fieberkranken, bis sie selbst daran starb. Daher sagt man auf dem Land auch Fiebermonat.
Mart Marto der Pflüger Feldarbeit, Tagelöhner, Zugvieh Als die Ochsen verhungert waren, spannte er sich selbst vor den Pflug.
Avril die heilige Avrila, die Säerin Saat, Hoffnung Sie verhungerte im Winter, statt das Saatgut des Dorfes anzurühren. Im Frühjahr säte man ihr Korn.
Maien die heilige Maiena, die Hirtin Hirten, Herden Sie bewachte ihre Herde nachts nur mit einer Fackel. Keine Kreatur wagte sich in Sors Licht.
Juner Junar der Zeuge Chronisten, Schreiber Er gehörte zu den Sonnensuchern, die Sor beim Fall vom Vergessen verschonte, und schrieb die Lehre nieder.
Julen die heilige Julana, die Schnitterin Ernte, Schnitter Sie brachte allein die Ernte eines ausgestorbenen Dorfes ein und verteilte das Korn an die Hungernden.
Auger Augar der Zehntherr Zehnt, Steuern, Kirchenschreiber Er zählte den Zehnt gerecht und nahm nie Bestechung an.
Seper Seperan der Wanderprediger Reisende, Prediger, Boten Er trug die Lehre in die entlegensten Dörfer, bis ihn der erste Schnee auf dem Weg begrub.
Ocer Ocar der Wächter Wachen, Wehrkaten Er hielt eine Wehrkate allein eine ganze Nacht gegen Dämonen. Als Sors Licht kam, starb er.
Nover die heilige Noverin, die Totengräberin Tote, Gräber Sie begrub in den Staubjahren die Toten, die sonst keiner anfassen wollte.

Eine Woche hat neun Tage. Die Kirche hat sie nach ihrer Lehre geordnet. Am Anfang steht der Tag des Dhargass, am Ende der Tag des Sor. In der Mitte liegt Ghen, die Erde, zwischen Finsternis und Licht. Auch die beiden anderen Monde haben ihren Tag.

Da jeder Monat genau vier Wochen hat, beginnt jeder Monat mit einem Dargstag. Der 9., 18., 27. und 36. Tag eines Monats ist immer ein Sorstag. Deshalb fallen die meisten Feste auf einen Sorstag.

Tag Name Bedeutung
1. Dargstag Tag des Dhargass. Ein Unglückstag. Man fastet und beginnt weder eine Reise noch ein neues Werk.
2. Frontag Frondienst für den Grundherrn.
3. Dunstag Tag des Dundar, des roten Mondes. Gut für Hochzeiten, aber auch für Händel und Streit.
4. Wachtag Die Wachen in den Siedlungen werden gewechselt.
5. Ghenstag Tag der Erde. Vielerorts Markttag.
6. Zinstag Abgaben und Zins werden fällig.
7. Branstag Tag des Branjur, des blauen Mondes. Gerichtstag. Verträge werden geschlossen.
8. Sorabend Vorabend des heiligen Tages. Man badet und bereitet sich auf die Messe vor.
9. Sorstag Der heilige Tag. Messe und Ruhe. Auf dem Land sagt man oft Sonnentag.

1. Dargen. Am Jahrestag des Falls von Bazz feiert man Sors Gnade, der den Völkern die Erinnerung an die Zeit der Knechtschaft nahm, damit sie neu beginnen konnten. In jeder Kirche wird die Geschichte des Falls verlesen. Mit dem Gnadentag beginnen die Tage der Reinigung.

1. bis 9. Dargen. Neun Tage lang erinnert man an die Jahre der Reinigung, in denen die Alte Ordnung die Gesellschaft von unheiligem Blut und Wissen der Elfen befreite. Es wird gefastet und gebetet. Häuser und Höfe werden ausgefegt und mit Wasser ausgewaschen. Schriften, die der Kirche missfallen, landen im Feuer. Wer Schuld auf sich geladen hat, tut öffentlich Buße.

9. Dargen. Am letzten Tag der Reinigung werden die Bewohner jeder Siedlung im Kirchenbuch gezählt. Wer eingetragen ist, gehört dazu und steht unter dem Schutz der Gemeinschaft. Wer nicht eingetragen ist, wird oft noch am selben Tag vor die Tore gejagt.

18. Dargen. Die längste Nacht des Jahres ist der Erdmutter Ghen geweiht. Auf dem Land nennt man sie auch die Langnacht. In dieser Nacht schläft niemand. Die Feuer werden bis zum Morgen geschürt, die Wachen sind doppelt besetzt, und man rückt in den Häusern eng zusammen. Man sagt, in keiner anderen Nacht sind so viele Kreaturen der Finsternis unterwegs.

18. Duner. Wenn Tag und Nacht gleich lang sind, feiert man auf dem Land das Ende des Winters. Am Morgen wird in jedem Haus das Herdfeuer gelöscht und mit Glut vom Dorffeuer neu entzündet. Man begleicht offene Schulden, schmückt das Vieh und tanzt bis tief in die Nacht.

Die Kirche sieht das Fest nicht gern, denn an diesem Tag stehen Sor und Dhargass einander gleich stark gegenüber. Die Priester lehren, dass Sor ab diesem Tag die Oberhand gewinnt, und halten eine Messe, zu der kaum jemand aus dem Dorf erscheint.

9. Avril. Bevor gesät wird, bringen die Bauern einen Teil ihres Saatguts in die Kirche, wo der Priester es segnet. Für den Segen ist eine Gabe fällig. Wer nicht zahlen kann, sät ungesegnet und muss hoffen. Der Saatsegen ist zugleich der Tag der heiligen Avrila.

18. Soren. Am längsten und hellsten Tag des Jahres feiert man den Sonnengott Sor. Man trägt sein weißestes Gewand und tut gut daran, sich vorher zu baden. Oft wird morgens und am Nachmittag gefastet. Viele Häuser sind mit Kränzen der Sonnenblume geschmückt. Abends zieht ein Fackelzug durch die Siedlung, um das Licht des Gottes auch in die letzte Ecke zu tragen.

36. Julen. Fast allerorts wird ein großes Fest gefeiert, wenn die Ernte eingebracht ist. Nie im Jahr wird so ausgelassen gefeiert.

Die Kirche hat das Fest auf den letzten Tag des Julen gelegt. In den Dörfern feiert man aber meist dann, wenn die letzte Garbe eingefahren ist. Wer früher oder später feiert als der Priester es will, macht sich verdächtig.

6. Auger. Am ersten Zinstag nach dem Erntefest holt die Kirche den Zehnt. Was eben noch auf den Tischen stand, wird jetzt gezählt und gewogen. Man sagt: Erst das Fest, dann die Rechnung.

27. Nover. Eine Woche vor dem Jüttfeuer gehen die Familien zu den Gräbern ihrer Toten. Die Priester segnen die Gräber und streuen Salz auf die Erde, damit die Toten bleiben, wo sie sind. Der Brauch geht auf die heilige Noverin zurück.

36. Nover. Das Fest des Jüttfeuers ist ein alter Brauch, dessen Ursprung niemand kennt. Am letzten Tag des Jahres verbrennt man kleine Puppen und Anhänger aus Stroh in einem großen Feuer auf dem Platz der Siedlung. Die Puppen werden der Erdmutter Ghen geopfert, und mit ihnen verbrennen die Sorgen und Ängste des alten Jahres, damit man sie nicht ins neue mitnimmt. Die Priester bitten dabei Sor, die Sünden des Jahres zu vergeben.

Steht Dundar voll am Himmel, ist Rotnacht. Der rote Mond weckt die Leidenschaft, und in diesen Nächten verlieren die Menschen das Maß. Es wird getrunken, getanzt und geliebt, ohne Rücksicht auf Stand und Ehe. Viele Kinder werden in diesen Nächten gezeugt, man nennt sie Rotnachtkinder. Und nicht wenige Streitigkeiten enden mit einem Toten. Man sagt: „Unter rotem Mond ist keiner, wer er ist.“

Die Kirche kündigt die Rotnächte von der Kanzel an und verhängt Ausgangssperren. Die Wirtshäuser bleiben geschlossen, die Wachen werden verstärkt. Wer in der Rotnacht auf der Straße erwischt wird, landet am Pranger. Woher die Priester die Tage kennen, wissen nur sie.

Die Blaunacht unter dem vollen Branjur kommt jeden Monat in der Nacht des 18. Sie ist still. Man trifft sich heimlich, erzählt Geschichten und versucht, die Zukunft zu deuten. Auch diese Zusammenkünfte sind verboten.

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  • Zuletzt geändert: 05.10.2026 08:04
  • von Voigt